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Grundschule - Motorikzentrum

Rückwärts laufen ist keine Herausforderung? Und „Hampelmann“ bereitet nur älteren Menschen Probleme? Keineswegs. Es gibt auch viele Kinder, die eingeschult werden und diese Aufgaben nur mangelhaft bewältigen können. Selbst mit dem Greifen von Brettspielfiguren tun sich manche Kinder schwer. Das konnte zumindest Daniela Dück, Grundschullehrerin an der August-Hermann-Francke-Schule, an ihren Erstklässlern/-innen beobachten. Die Gründe hierfür sieht sie darin, dass die Motorik der Kinder nicht ausreichend gefördert wird. „Es werden weniger Brettspiele gespielt und es wird weniger auf dem Spielplatz rumgetobt.“ Außerdem werden die Kinder oft von den Eltern gefahren, anstatt selbst zu laufen. Das gelte zwar nicht für alle, denn viele machen Sport oder lernen ein Instrument. „Aber diese Kinder haben einen so durchorganisierten Alltag, dass oft die Zeit zum freien Spielen fehlt. Das Kindsein bleibt auf der Strecke.“

Gegen diese Defizite geht die AHFS seit 2009 mit einem eigens dafür gebauten Motorikzentrum vor. Ein Raum, in dem viele sonderbare Gerätschaften sind, an denen sich die Kinder austoben dürfen. Das geschieht in der „Bewegungsstunde“ einmal wöchentlich, die neben dem regulären Sportunterricht stattfindet. Die Geräte des Herstellers „Ullewaeh“ sind austauschbar und werden zweimal im Halbjahr gewechselt. Im Moment sind ein Kletternetz, eine Schaukel für sensorische Integration (SI-Schaukel), ein Flutschtuch und eine Kindermangel installiert.

„Wenn ihr auf den Geräten seid, dann schließt die Augen. Was spürt ihr?“ Mit dieser Frage sollen die Kinder lernen, ihren Körper bewusst wahrzunehmen. An anderen Tagen werden andere Aufgaben gestellt, aber mit demselben Ziel: Was macht der eigene Körper? Daniela Dück ist gerade mit ihrer dritten Klasse dort. 25 Kinder, aufgeteilt in drei Gruppen. Eine davon ist im Motorikzentrum, die anderen zwei sind im Raum nebenan und spielen Gesellschaftsspiele, bis durchgewechselt wird. Am Anfang der Stunde wird aber noch ein Arbeitsauftrag erteilt. Die Eindrücke sind vielfältig. Beim Rutschen auf dem Flutschtuch haben viele das Gefühl, den Halt zu verlieren. Das Flutschtuch ist eine große gelbe Plane, die schräg in ein Gerüst gehängt ist. „Man geht da lang und auf einmal ist da eine Klippe“, meint ein Junge. „So ein komisches Gefühl, als wäre ich in den Himmel geflogen“, findet ein Mädchen. Auch die SI-Schaukel kommt gut an. „Als ob ich schwebe“, beschreibt es ein anderes Mädchen. Ein anderes Kind hat bemerkt, dass die Schaukel quietscht. Das Kletternetz ist toll, weil man da auch schaukeln kann. „Das hat sich angefühlt wie Wellen.“

Für ein besonderes Erlebnis sorgt die Kindermangel. Zwei Schaumstoffwalzen, zwischen denen sich die Kinder durchquetschen. Eine Walze mit Druck von oben und unten. „Wie eine Massage für den ganzen Körper.“ Dieses Gerät sei besonders wichtig für Kinder, die kein Gefühl für den eigenen Körper haben. Daniela Dück erzählt von Kindern, die gar nicht wissen, wo ihr Körper überhaupt anfängt und wo er wieder aufhört.

Gefördert wird hier vor allem die taktile Wahrnehmung, also die Wahrnehmung von Reizen über die Haut wie Druck, aber auch das Erfühlen von Oberflächen unterschiedlicher Materialien wie eine glatte Plane oder ein raues Seil. Der Gleichgewichtssinn, die Einordnung von Sinneseindrücken und das Gefühl für den eigenen Körper im Raum werden ebenfalls in unterschiedlichen Maßen geschult. Wo befindet sich welcher Teil meines Körpers und welche Muskeln spannen sich an?

Zusätzlich wird das freie, selbstbestimmte Spiel geübt, das im Alltag eben oft zu kurz kommt. Es gibt aber noch einen weiteren entscheidenden Punkt, weswegen die Kinder motorisch gefördert werden sollten. Denn Kinder mit besserer Motorik können sich nicht nur besser bewegen, sondern auch besser lernen. Durch fehlende motorische Fähigkeiten können wiederum Schwierigkeiten beim Schreiberwerb entstehen und im mathematisch-logischen Denken. „Lernen durch Bewegung“ heißt also das Motto. Insbesondere durch Überkreuzbewegungen – zum Beispiel mit der rechten Hand den linken Fuß zu berühren – werden die beiden Gehirnhälften besser miteinander vernetzt und das Lernen fällt leichter. Und abgesehen vom pädagogischen Zeigefinger: Den Kindern macht das Toben Spaß und die Mädchen und Jungen können einfach Kind sein.

(aus: Gießener Anzeiger, 14.2.2015)

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