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Die Facharbeit in der gymnasialen Oberstufe Wir befragten den Oberstufenleiter der AHFS, R. Stehr
Herr Stehr, was versteht man eigentlich unter einer Facharbeit?
R. Stehr: Eine Facharbeit ist eine eigenständig verfasste wissenschaftliche Hausarbeit. Sie wird von den Schüler/-innen der Jahrgangsstufe 12 geschrieben und hat in der Regel einen Umfang von 12 bis 16.
Welche Ziele verfolgen Sie damit, dass die Schüler und Schülerinnen eine Facharbeit anfertigen?
R. Stehr: Zunächst ist es wichtig, dass wir in der Oberstufe wissenschaftspropädeutisches Arbeiten einüben. Wenn sich die Schüler/-innen im Rahmen einer Facharbeit intensiv mit einem Thema auseinandersetzen, hat dies etliche Vorteile: Sie benötigen zur effektiven Durchführung eine Arbeits- und Zeitplanung, lernen, eine Problemstellung zu entwickeln, die Inhalte zu gliedern und zu gewichten, Fachliteratur zu recherchieren und auszuwählen, diese kritisch auszuwerten, zu reflektieren und zu beurteilen. Weiterhin wird die angemessene Darstellung der Ergebnisse mit Hilfe des Computers trainiert, wozu auch der Umgang mit Zitaten, Nachweisen und Literaturverzeichnis gehört. Letztlich geht es darum, Methoden und Techniken zu erlernen, um später an der Universität eine wissenschaftliche Arbeit anfertigen zu können. Der geschilderte Prozess erfordert Ausdauer, Eigeninitiative, Selbstverantwortung, Selbstständigkeit und Sorgfalt. Neben der Methodenkompetenz wird also auch die Selbstkompetenz des Schülers bzw. der Schülerin trainiert. Wie werden die Schüler und Schülerinnen darauf vorbereitet bzw. wie werden sie betreut?
R. Stehr: Zunächst baut die Facharbeit auf den Kompetenzen auf, die in den verschiedenen Fächern erarbeitet wurden. Um die Schüler/-innen speziell auf die Facharbeit vorzubereiten, haben wir an der AHFS ein 16-seitiges Papier entwickelt, das der Klassenlehrer bzw. die Klassenlehrerin mit den Schüler/-innen durcharbeitet. Klassenlehrer/‑in und natürlich auch die Fachkolleg/‑innen stehen während des Erarbeitungsprozesses beratend zur Verfügung. Welche Themen wurden denn im letzten Jahr behandelt?
R. Stehr: Da zeigt sich eine breite Palette: Themenfelder waren z.B. die Diabetesepidemie (Biologie), Nanotechnologie bzw. Datenübertragung mit Lichtleitern (Physik), die Gründung des Staates Israel, Kurt Gödels Mathematikphilosophie im Kontext seiner Zeit (Geschichte), unterschiedliche Legastheniekonzepte oder Klimawandel und Klimapolitik (Politik und Wirtschaft); die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert am Beispiel der Lene Nimptsch aus Fontanes Irrungen und Wirrungen und viele andere.
Wie gehen die Schüler und Schülerinnen mit der Herausforderung Facharbeit um?
R. Stehr: Sehr unterschiedlich. Manche investieren sehr viel Zeit und Mühe und haben dann neben dem inhaltlichen Gewinn den Vorteil, dass sie bei der Anfertigung einer ähnlichen Arbeit mit der formalen Umsetzung wenig Schwierigkeiten haben. Diese Facharbeiten sind dann oft sehr gut und brauchen den Vergleich mit Proseminararbeiten an der Universität nicht zu scheuen. Andere Schüler/-innen gehen ihre Facharbeit weniger ernsthaft an. Entsprechend geringer ist der Nutzen.
Was würden Sie aus Ihrer langjährigen Erfahrung heraus Schülerinnen und Schülern zum Thema Facharbeit raten?
R. Stehr: Sie sollten die Facharbeit als Chance sehen und nutzen, wissenschaftliches Arbeiten zu üben, und sich dann sehr frühzeitig um ein Thema bemühen, das sie interessiert, sodass sie für die Anfertigung der Arbeit genügend Zeit haben und Probleme, die in einem so langen Prozess immer auftauchen, ohne großen Zeitdruck lösen können.
Vielen Dank für das Gespräch! |